Warum Kinder Storytelling doof finden – Oder: Katzen streicheln beruhigt

Warum Kinder Storytelling doof finden – Oder: Katzen streicheln beruhigt

Warum mögen Kinder kein Storytelling? Kurz: Weil sie Geschichten lieben.

«Storytelling» tönt professionell und man möchte meinen, es sei die Wiederentdeckung einer ganz urtümlichen Kraft des Erzählens. Emotionen schaffen, Inhalte langfristig verankern.  Kein Wunder sprechen Werbefachleute gerne von einem Megatrend, einem Hype, oder von was auch immer. Davon, wie Budweiser mit der Geschichte einer Tierfreundschaft Geld machen kann.
Oder in der Unternehmenskommunikation: Die Erfolgsgeschichten der Mitarbeitenden sammeln und zu einer Geschichte verweben. Mit viel Aufwand und am Ende doch ganz leichtfüssig das Know How der Firma einander erzählen. Emotionen schaffen, Inhalte langfristig verankern. Das sei Storytelling.

Im Grunde ist das etwa so, als würden wir eine Katze am Genick packen und damit dem nervösen Kind über die Wange streichen. Rauf, runter, rauf, runter. – Selbstverständlich, eine Katze zu streicheln kann geradezu magisch beruhigen. Aber sie – – wie sollen wir sagen: «gestreichelt zu bekommen», ist was anderes. Es mag gar wohl tun. Aber das Schnurren ist Playback.

Und so ist es beim Geschichten Erzählen auch. Geschichten mit einem klar vordefinierten Ziel verabreicht zu bekommen, mag angenehm sein. Es mag auch Emotionen wecken. Aber es trägt keine Magie, keine urtümliche Kraft.
Geschichten mit klar definierter Absicht, das gibt es. Man nennt die Absicht «Moral» und man macht sie am Ende transparent. «Und die Moral von der Geschicht’…» Tut man das nicht, sind Geschichten nichts weiter als der Versuch versteckter Instruktion. Am Ende vorallem eines: kraftlos.

Geschichten zu erzählen – «Storytelling» – kann im professionellen Kontext eine hervorragende Intervention sein. Etwa für Coachs oder Führungskräfte. Sie lässt eine gemeinsame Sprache finden, über Metaphern zu neuen Lösungen kommen. Professionelle können Wirkungsweisen kennen und ihren Einsatz reflektieren. Doch sie können kein vorgefertigtes Ergebnis produzieren, wie das manche «Storyteller» aus der Kommunikationsabteilung behaupten. Geschichten sind immer nur ein Angebot. Gezielt eingesetzt, aber nie berechnend.

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