Entscheiden in Teams

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Wie entscheiden wir uns? Die aktuelle Forschung zeigt ein klares Bild: Deutlich weniger rational als wir meinen. Wir unterliegen einer Menge Verzerrungen, die wir zwar ziemlich systematisch aber unbewusst machen. Die im wahrsten Sinn entscheidende Bedeutung von Emotionen in Entscheidungsprozessen ist deutlicher denn je.

Entscheiden in Teams

Auch in Teams fällen wir Entscheide im Grunde nicht anders. Es gelten die gleichen Prinzipien: Etwa dass wir zu den bekannteren Alternativen tendieren, dass wir unsere Fähigkeiten auch als Team systematisch überschätzen. Doch neben der Frage, wie der Entscheid ausfällt, rückt bei Teamentscheidungen eine andere Frage ins Zentrum: Wie der Entscheid zu Stande kommt – Etwa: Wer wird wann wie informiert.

Einige geklärte Grundsätze in Entscheidungsprozessen machen diese tragfähiger und damit schliesslich auch besser. Diese Grundsätze wurden etwa von Gellert und Nowak (2010) treffend beschrieben.

Der Entscheidungsprozess

  1. Der/Die Informationsträger hat eine Bringschuld. Jedes einzelne Teammitglied ist verantwortlich, dass die relevanten Informationen frühzeitig allen zur Verfügung stehen.
  2. Im Beratungsprozess/ In der Lösungsfindung ist transparent, in welchem Rahmen die Lösung ausfallen muss. Ein Team diskutiert keine Entscheide, die es nicht fällen kann.
  3. Der Entscheid wird nach einem vorgängig klar diefinierten Entscheidungsmodus gefällt (s. nächster Abschnitt).
  4. Nach dem Entscheid wird definiert, wer den Entscheid wann in welcher Form kommuniziert. Alle beteiligten Personen sollen direkt informiert werden.
  5. Zu einem im Vorherein definierten Zeitpunkt wird der Entscheid bilanziert und allenfalls wieder korrigiert.

Die Entscheidungsmodi

Entscheide können ganz unterschiedlich gefällt werden:

Hierarchie: Die Teamleitung entscheidet.
Mehrheit: Die Mehrheit entscheidet demokratisch.
Sperrminorität: Eine zum Vornherein festgelegte (qualifizierte) Mehrheit entscheidet.
Vetorecht: Die Teamleitung kann Entscheide verhindern.
Konsens: Entschieden wird bei Einigkeit – wobei definiert wird, ob Enthaltungen als Zustimmung oder Ablehnung gewertet werden.

Eine kleine Auswahl an Fallen

Teamentscheide bergen Potential für Konflikte und Fehlentwicklungen:

Bei Pseudo-Entscheiden diskutiert das Team engagiert. Und am Ende wird klar: Die Sache wird von der Leitung bestimmt. Partizipation bei Entscheidungen macht nur Sinn, wenn verschiedene Optionen wählbar sind. Auch deshalb ist von Entscheidungen mit Vetorecht der Leitung abzuraten. Dann soll sie lieber selber entscheiden.

Bei Entscheiden ohne Auswirkungen entscheidet das Team mitunter sehr innovativ. In der Praxis werden die Entscheide aber nicht umgesetzt – ohne dass jemand darüber spricht. Nicht selten ist dies in Arbeitsfeldern zu beobachten, die sich von andauernden Veränderungen gegängelt fühlen. Schulen etwa haben die Fähigkeit entwickelt, jede Reform vordergründig mitzumachen – im Innenblick ändert sich gar nichts. Doch das gibt man sich nicht mal selber zu.

Wenn Informationen ungleich verteilt sind, grundlegende Informationen erst nach dem Entscheid zugänglich gemacht werden oder Entscheide nur unvollständig kommuniziert werden, dann missbraucht die Führung ihren Informationsvorsprung, um Entscheide nach Ihrem Dafürhalten zu beeinflussen.

 

Daniel DussEntscheiden in Teams

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