Lorem ipsum – Weil Arbeit Unsinn macht (Titel)

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Nicht jeder Titel macht Sinn. Wie auch Arbeit nicht immer Sinn macht: Führungsentscheide gegen jede Vernnunft. Absurde Forderungen, unlösbare Aufgaben.
Müde Giraffen ziehen vorbei. Unsinn: Was für ein Glück. Lorem ipsum: Warum Mitarbeitende unterstützt werden sollten, den Sinn nicht zu finden.

„Lorem ipsum dolor sit amet, …” ist Text, dessen einziger Zweck es ist, in Layout-Entwürfen als Platzhalter für späteren (sinnvollen) Text zu stehen. Ein sogenannter Blindtext. Bewusst sinnlos, nicht mal richtiges Latein.

So ist der Mensch: Er hält Sinnlosigkeit nur schwerlich aus. Wenn Einer „covfefe“ in die Nacht summt, sucht die Welt nach Erklärungen, wo keine sind.
Selbst ein Sinnlostext wie lorem ipsum wird auf adäquate Buchstabenverteilung und Wortlängen hin konstruiert. Wenn schon ohne Sinn, dann wenigstens intelligent und systematisch gemacht.
Der Mensch also strebt nach Sinn. Und leidet, wenn seine Welt, seine Arbeitswelt, sich sinnlos zeigt. Doch frei von Sinn – ist das überhaupt denkbar?

Sinn ist überall.

Sinn bringt der Mensch in die Welt. Ein Stein etwa, er kennt keinen Sinn. Er kennt kennt gar nichts, er ist im Grunde nicht mal.. Er … – sagen wir: Er steint. So wie der Regen regnet. Er existiert. Ohne damit auf irgendeinen Sinn zu zeigen.

Auch Tiere kennen – soweit wir das überblicken – keinen Sinn in ihrem Sein. Ihr Handeln hat Zweck, Nahrungssuche beispielsweise, selbstverständlich. Doch der Zweck ist nicht der Sinn. Tiere vermuten hinter dem schieren Überleben keinen weiteren Sinn als das Überleben. Es erscheint ihnen niemals als Unsinn.

Der Mensch hingegen, er bringt Dinge in Beziehung, strickt sich Geschichten und sucht Zusammenhänge. Er, und nur er, schafft Sinn. Er tut es immer und überall. Sinn muss also dem Menschen immer verfügbar sein.

Wenn man nun nach dem Sinn einer Arbeit sucht, kann man höchstens finden, was man selber geschaffen hat.

Sinn und Giraffen

Die Halswirbelsäule von Giraffen besteht, wie bei den meisten Säugetieren, aus sieben Halswirbeln. Diese sind aber deutlich vergrössert. Der Hals wird von einer einzigen Sehne gehalten. Giraffen werden bis zu 6 Meter gross.

Interessant in unserem Zusammenhang ist auch, dass die Zunge der Giraffe 50cm lang werden kann und in manchen Bereichen zum Schutz vor Sonnenbrand stark pigmentiert ist.

Unsinn und Giraffen

Wenn sich dem Menschen Sinn nicht automatisch erschliesst, in deplatzierten Texten über Giraffen oder in scheinbar absurden Herausforderungen der Arbeitswelt, macht er sich , mitunter ganz verzweifelt, auf die Suche nach dem Sinn. Er hält Nicht-Sinn nur schwerlich aus.

Das gilt für den Sinn seiner Arbeit, nicht anders für den Sinn des Lebens. Doch gerade hier zeigt sich: Der Mensch wird endgültigen Sinn nie erkennen können. Hinter jeder Erkenntnis vermutet der Mensch einen weiteren Sinn und macht sich wieder auf die Suche. Was er findet, hat er selbst geschaffen – und so sucht er weiter.

Suchen – im Wissen, dass die Welt keinen objektiven Sinn in sich trägt. Es nichts zu finden gibt. Was für ein Paradox.

Kurz: Die Aufgabe heisst, den Sinn in der Arbeit andauernd zu suchen. Im Wissen darum, ihn nie zu finden. Wirkliche Sisyphos-Arbeit. Darin haben Führungskräfte und Berater/innen die Mitarbeitenden zu unterstützen: Im Aushalten der Unmöglichkeit ihrer Aufgabe. Im Bejahen, dass es das Absurde gibt – statt selber verzweifelt Sinn zu erkennen, wo keiner ist.

Vom Glück des Sisyphos

Sisyphos ist in der Mythologie dazu verdammt, einen Stein den Berg hoch zu rollen, von wo er immer wieder herunterrollt.

Albert Camus zeigte an der Figur, dass der Mensch erkennen muss, dass die Suche nach dem Sinn eine unlösbare Aufgabe ist, die er anzunehmen und gegen die er immer wieder aufzubegehren hat. Annehmen und gleichzeitig dagegen aufbegehren. Hier wohnt das Absurde.

Damit umzugehen wissen zum Beispiel Professionelle in sozialen Arbeitsfeldern. Professionelle etwa, die Süchtige auf dem Weg zum nächsten Absturz begleiten.

Wenn also auch Sie bei der Arbeit am widersinnigen Handeln von Kundinnen oder Klienten zu verzweifeln drohen, denken Sie an Sisyphos: Annehmen, dass es niemals lösbar wird – und weiter dagegen aufbegehren, immer wieder. Kein Grund zur Verzweiflung, denn Camus weiss: “Man muss sich Sisyphos glücklich vorstellen.”

Daniel DussLorem ipsum – Weil Arbeit Unsinn macht (Titel)

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